вторник, 27 декабря 2011 г.

ПИСЬМО Евгения Карловича Фаберже своему школьному другу (Петришуле в Петербурге) Вилли Энгельману (Василию Оскаровичу). 1933 год.

Отец  Вилли (Василия)   Карл-Оскар Зигфридович Энгельман (1835 г.р.) , петербургский купец,  женат  на дочери  Фридриха Бутца; исполнял обязанности оценщика Кабинета Е.И.В. - После смерти Ф. Бутца, вместе с Юлием Фридриховичем Бутцем (1847-1912) был совладельцем ювелирной фирмы.  Юлий Бутц  - друг детства Карла Фаберже, вместе они путешествовали по Европе. - Евгений Карлович Фаберже в эмиграции сообщает Василию Энгельману о судьбе школьных друзей (1933-1938 гг.).
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Архив Татьяны Фёдоровны Фаберже (Женева). Выделены фамилии нами.  Благодарю г-жу Ирину Лейнонен (Германия) за подготовку текста к публикации.
Валентин СКУРЛОВ, декабрь 2011 года. 

1. Juni 1933
Lieber Freund Willy,

Habe mich gefreut, deinen freundlichen & ausführlichen Brief zu erhalten, doch war es mir bedauerlich zu erfahren, dass Du Dich in einer so "miessen" Lage befindest. Das hatte ich nicht erwartet; im Gegenteil glaubte ich, dass es Dir gut geht. – Bei uns sind die Geschate, wie ich Dir schon schrieb auch oberfaul, aber man hält sich doch so einigermassen über Wasser & wartet auf bessere Zeiten, die noch mal kommen müssen, denn so kann es nicht weiter gehen oder man geht pleite. – Und wenn man mal einige hundert Franken verdient zufälligerweise, so ist das wie ein Tropfen im Meer, denn wir sind 4 Teilhaber & müssen existieren. –
Ich hatte mir gedacht, dass Dein Kinosohn ein ausgezeichnetes Einkommen hat & sich daher gut steht; andrerseits weiss ich ja, dass das Einkommen aller Künstler: Theater, Kino, Maler & etc., wenn sie nicht gerade eine festbezahlte Stellung haben, nur ein zufälliges & unbestimmtes ist. –
Jetzt von was anderem. –
Mit Schura Plate (Шура (Александр)  ПлатеВ.С) stehe ich in Korrespondenz; ihm geht es auch recht schabig. Er muss auch arg schuften & suchen, sich mit seiner zweiten Frau durchzu­schlagen. Er ist auch ein alter guter Freund & haben wir, auch wie mit Dir viele gemeinsame Erinnerungen aus alter Zeit, die wir zuweilen austauschen. Von alten Schulkameraden lebt hier u. a. Sascha Makarow (Александр МакаровВ.С.) , mit dem ich auch öfters über die Schulzeit & etc. spreche. Ihm geht es oberfaul. Er lebt mit seiner Frau, geb. Werth, hat eine nicht normale Tochter, dann lebt bei ihm noch seine Schwä­gerin, geschiedene Frau Schindelmeiser, ein total nutzloses Individuum, also kannst Du Dir denken, wie wunderschön er es hat; er ist Rechtsanwalt, kann aber hier nicht praktizieren & kann nur als Ratgeber & Vermittler auftreten; hat zu handeln versucht, aber erfolglos. Dann lebt hier Georg Lewinson (Георгий ЛевинсонВ.С.) , der mit meinem jüngsten Bruder Kolja in der Petrischule war (also 10 Jahre jünger als wir); ich sehe ihn sehr selten, er arbeitet auf der Börse so gut es geht. Du kanntest ihn wohl? – Auch Alfred Anspach (Альфред АнспахВ.С.) ist hier; ich sehe ihn nur zufällig; was er treibt, weiss ich nicht, ich glaube er "börst" auch, so gut es geht. Alexej Harfeld kennst Du doch auch? Er arbeitet in der Bank dlja Wneschnej Torgowli, rue du Helder. Herr Samen ist auch hier, aus der Kreditkanzlei.
Exfinanzminister P. Bark
 (Пётр Львович Барк, 1869-1937  В.С.) lebt in England & ist schon Großvater. 10 Jahre habe ihn nicht gesehen. Buknalls (Букналл, торговля драгоценными камнямиВ.С.) leben in London; seine älteste Tochter, Frau Dr. Britnewa  (БритневаВ.С. ) hat mich vor ca. 2 Jahren besucht. Ihr Mann soll, wie ich hörte vor ca. einem Jahre von den Bolschewiken erschossen worden sein; Mary hat 2 Kinder; die zweite – Agnes – lebte in Florenz; die dritte –Pussy – starb vor einigen Jahren von einer Krankheit, sie war verheiratet mit Molostwow. – Sicher giebt es hier noch mehrere von Deinen Bekannten & wenn Dich jemand interessiert, schreibe mir, ich werde versuchen alles zu erfahren. Mit Bankisten komme ich eigentlich gar nicht zusammen. Alfred Zoppi  (Альфред Цопп, его бюст исполнил скульптор Фрёдман-КлюзельВ.С.) sehe ich manchmal, Karl Spahn  (Карл ШпанВ.С.) sah ich etwa 3 Mal, obgleich er lange hier lebt. Dann sehe ich & verkehre mit Alex. Boerling, Sohn unseres Schularztes; seine Frau, geb. Bysowa starb vor 2 Jahren. Herrn Emanuel Nobel sah ich jedes Mal, wenn er herkam & war immer zum Frühstück oder Dinner eingeladen. Er war ein selten lieber Mensch, auch einer unserer besten Freunden. Seinen Bruder Gösta sehe ich öfters, auch seinen Kompagnon Herrn Arthur Lessner.  Seltener – Emil Nobel. – Zoppi muss jetzt in Riga oder Reval sein.
Architekt Meltzer & Frau sind hier.  Frau Julia Gawrilowna Brandt, Witwe von Wassily Emanuilowitsch, den Du wohl auch kanntest, besitzt ein schönes Haus mit Garten in Le Pecq bei St. Germain en Laye; hat es vermietet & lebt jetzt auf einer neu gekauften Villa bei Cannes, mit ihrem neuen Mann & einigen Kindern. In Le Pecq besuchte ich sie öfters. –
Dass mein Vater  (Карл Густавович ФабержеВ.С. ) 24 Sept. 1920 in Lausanne starb, weisst Du & Mama (Августа Богдановна ФабержеВ.С.) starb 27. Jan. 1925 in Cannes. Papa liess sich verbrennen. Vor 3 Jahren brachte ich seine Asche aus Lausanne nach (Cannes), liess sie in Mamas Grab beisetzen & stellte ein gemeinsames Grabdenkmal. – Georges Sachs (Георг (Жорж) Сакс. , торговля драгоценными камнямиВ.С.) , den Du auch kanntest, starb schon 1919 oder 1920 in Genf auf einer Reise. – Deiner Schwester erinnere ich mich dunkel & weiss nicht mit wem sie verheiratet war. – Weisst Du nicht zufällig etwas über Heinrich Ebermann? – In Berlin habe ich ja viel gute Bekannte & Freunde, die Dir wohl meist auch bekannt sind. Ausser Plate ist da Raoul Ebert mit Frau, geb. Grube, Dr. Rob. Kolbe, Paul Siegwart von Kügelgen, Bildhauer Prof. Josef Limburg (Йозеф Лимбург, скульпторВ.С.) , mein Hanauer Akademiekollege, der 1903 bei uns gastierte & meine Eltern modellierte (lebt in Lichteffelde-Ost), dort selbst lebt Architekt Karl Schmidt (Карл Карлович Шмидт, архитектор, построил дом Фаберже на Б. Морской ул., 24 в СПб. – В.С.)  Erbauer unseres Hauses. Am Kurfürstendamm lebt Dr. Boris Rohde mit Frau Wera, geb. Bersträsser (Bergsträsser ?), geschiedene Frau Julius König; letzterer starb hier in schweren Verhältnissen vor 5 ½ Jahren bei Alex. Papmehl, der auch tot ist. In der Giesbrechtstr. lebt Margilla Dettmann,  Frau Rohdes Schwester, mit 4 Kindern & der Mama. – Wo lebt wohl Emil Heyse? Ich sah ihn vor 10 Jahren & weiss nichts mehr von ihm. Emil & Felix Siahn sah vor 3 Jahren in Berlin. – Auch Devrients (mit Alfred bin ich Dez. 1918, als ich mit Mama Pbg. verliess, über die finnl. Grenze geflüchtet) sah ich damals. Willy Devrient lebt in Lausanne & der jüngste glaube ich in Strassburg; In Mulhouse lebt Charly Ebert, Witwer; sein Sohn studiert Medizin in Strassburg. – In Berlin leben die Kinder von Papas Freund & Schusterklubkollegen Hermann Hesse (Gorochowaja, Veloziped & Grammofongeschäft). – Adolf Frank war mal bei uns im Bureau hier vor mehreren Jahren; ich wusste nicht, dass er tot ist .Und seine Tochter, mit der ich in Piter getanzt habe, ist doch verheiratet, doch wo? – Ist die Witwe von Prof. Bellarminow mit Euch verwandt? – Agathon (Агафон Карлович ФабержеВ.С.)  flüchtet kurz bevor er wieder verhaftet weiden sollte, im Januar 1929 (правильно: в ночь с 10 на 11 дек. 1927 г.- В.С.) übers Eis des Finn. Meerbusens nach Finnland mit grossen Schwierigkeiten, mit seiner zweiten Frau, die eine russische Bonne seiner Kinder war, & dem Söhnchen & lebe jetzt in Helsingfors auf der Villeninsel Brändö, wo er sich eine prachtvolle Villa am Ufer gekauft hat & schön eingerichtet. Schura Plate (Шура (Александр) ПлатеВ.С.) kann Dir genauer erzählen, denn er war vorigen Sommer in Hfors. geschäftlich & wohnte bei TonjaТоня» от Агатондомашнее прозвище Агафона Карловича Фаберже - В.С.) – Wegen Deiner Cousine Mary Butz (Мария БутцВ.С.)  schrieb ich Papas Freund Karl v. Grosch (Карл ГрошВ.С.) Berggatan 22, Hfors. Er kommt mit allen zusammen & wird es erfahren können. In der englischen Gesandtschaft wird man sie auch kennen, denn dort arbeiten meist Petersburger Engländer, z .B. Pullman  (ПульманВ.С.)
Jetzt was den Stein betriff t, den Deine Bekannte verkaufen will, resp. die Ohrringe, so ist es äusserst schwer auch annähernd den Preis anzugeben, doch scheint es, dass man heutzutage hier bessere Preise erzielt, als in Deutschland. Veranlasse sie, uns die Steine herzusenden, nachdem sie sich dort nach dem Preise erkundigt hat, den man bietet. Man schickt Edelsteine in einer Pappschachte (event. Metallschachtel) mit festem Papier als Kuvert, mit 5 Siegeln als eingeschriebenen Brief an unsere Firma adressiert: Messieure Faberné & Cie, 23 rue Saulnier, Paris 9. Und – was sehr wichtig ist – man klebt auch die Vorderseite neben der Adresse eine von den hier beigefügten grünen Etiketten, damit die Sendung legal durchs Zollamt geht – wir haben hier nämlich ein spezielles Zollamt für unsere Branche. Alle an uns gesandte Ware ist durch unsere Police im Engl. Lloyd gedeckt, nur muss man uns vorher brieflich, oder telegrafisch von der Absendung benachrichtigen (Telegr. Fabergé 23 Saulnier Paris) ?
Boerling, Alexander Iwan.(Бёрлинг Александр ИвановичВ.С. ) , Sohn des Petrischularztes, Chemiker, Direktor der Parfümerie Baudelot (aus Moskau) in Rueil bei Paris; Privatadresse:1 rue Charlie Dickens, Paris 16, mein guter Freund, war verh. mit Wera Semenowa Bysowa, beide Petrischüler. Sie starb hier vor 7 Jahren.
 Pawel Pawl. Forostowsky jun.(Павел Павлович ФоростовскиймладшийВ.С.) , Sohn des bekannten Expedietors P.P. Forostowsky, der (bald 80 jährig) in Finnland lebt, c/o . Hôtel: Societetshuset, Helsingfors. Da letzterer sich zur Ruhe gesetzt & keine bestimmte Beschäftigung hat, wird er Ihnen vielleicht manches Interessante mitteilen können, da er eine ausgezeichnetes Gedächtnis besitzt & fast ganz Petersburg gekannt hat, wenn Sie richtig an ihn herangehen. – Sein Sohn, der hier in einem grossen Autounternehmen beschäftigt ist, ist verh. mit Olga Brandt, Tochter des ehem. Holzindustriellen Willhelm (Wassilij Emanuilowitsch) Brandt (Василий Эммануилович БрандтВ.С.) , der ein Haus en der Bol. Dworjanrkaja besass. Forostowsky haben eine 5-jähr. Sohn Pawlik, der schon jetzt grosses Interesse für Mechanik & das Autofach bekundet. Auch meine guten Freund Olgas Mutter Frau Julie Gawriilowna, geb. Bersning (? ) aus Riga besitzt ausser Olga (N° 2), eine älteste Tochter Wera, verh. mit dem ehem. Oberst des Preobrashensky Polk Harry von Haartman, dessen Vater der Direktor der Finljandskoje Legkoje Parochodstwo war. Haartmans leben in Monte Carlo, die dritte Tochter Tamara lebt in Cannes, unverheiratet; der älteste Sohn Emanuel war verh. mit Eugenie Wilson, Englische Untertänin aus Nikolaew, Südrussland. Besitzen einen Sohn; doch sind sie schon geschieden. Sie arbeitet als Krankenschwester im grossen erstklassigen Amerikanischen Hospital in Neuilly bei Paris, während Emanuel bei der Mutter in Mandelieu bei Cannes an der franz. Riviera in der Garten & Obstpflege sich betätigt. Witwe Brandt heiratete vor etwa 5 Jahren einen ehem. russ. Offizier Ali Bek Zulgadar (Mohammedaner). Der zweite Sohn Willy Brandt war in Algier. Nach der Rückkehr starb er bald an den Folgen einer bösartigen Malaria, in Versailles. Dann sind da noch zwei junge Töchter: Julie & Nadja. Letztere lernt erfolgreich Tanzen bei der ehem. Ballerine Sjedowa (балерина СедоваВ.С.) in Cannes. – Näheres über die Familie Brandt werden Sie erfahren können wenn Sie an Madame Wera Wass. Haartmann, Palais Bellevue Monte Carlo, Monaco schreiben (Unter "Palais" benennt man ein grosses Mietshaus mit kleineren Wohnungen) oder an Mademoiselle Tamara Wass. Brandt, 17 rue des Dunes, Cannes, (Alp. -Mar.) Frankreich. Brandts ziehen die russische Sprache vor. Beziehen Sie sich auch auf Djadja Genja (дядя ЖеняЕвгений Карлович ФабержеВ.С. )  denn so nennen sie mich alle. –
Dann lebt hier noch Wass. Wass. Boetz,(Василий Васильевич Бетц В.С. )  Verwandter von Königs, 12 Square de Clignancourt, Paris 18., verh. mit einer Französin, lebt lange hier.
Dann Wass. Wass. Goetz, (Василий Василиевич ГётцВ.С. )  Neffe von Börsennotar Konrad Goetz; verh. mit einer geb. B. Berson, Schwägerin von Elfriede, geb. Hansen in Warschau: 34 rue Georges Sand, Paris 16. Er wird Ihnen über Goetz & Berson mitteilen können.
Rudolf Alexandrowitsch Grube: 75 rue Daguerre, Paris 14. Jetzt krank an Urämie. Über ihn & die anderen Grubes weiss wohl Raoul Ebert Bescheid.
Foremny, Alfred Franzowitsch (Форемни Альфред ФранцевичВ.С.), Vetter von Alexander Treuberg  (Александр ТрейбергВ.С. )  63 Avenue Sambre et Meuse (Seine & Marne), Frankreich. Er hatte einen inzw .verstorbenen jünge­ren Bruder Georg, verh. mit einer geb. Hengst. Alfred F (Альфред ФоремниВ.С.) .war früher in der Russ. Asiatischen Bank tätig & lebte mehrere Jahre in China; später in der Firma Nobel; jetzt pensionniert; verh. mit Dora Fedorowna (Mädchenname weiss ich nicht). Beide Foremny waren gute Pianisten, besonders Georg.
Der alte Treuberg, Alexander Iwanowitsch (Александр Иванович ТрейбергВ.С.) war aus Estland gebürtig, verh. mit Marie Franzowna, geb. Foremny. Er starb in Pbg. im Sept. 1918, wenn ich nicht irre 81 Jahre alt; seine Witwe starb in Versoix bei Genf im Herbst l927.
Der Sohn Alexander Alexandrowitsoh. geb. 10. Dez. 1872 in Pbg., verh. mit Elsa Kasparowna von Reutlinger, geb. in Tambow 15. Sept. l888. Töchter: Isolde, geb. 12 Juni 1913 in Lewaschowo, gestorben verunglückt durch Gasvergiftung am 27. April 1930 in Sèvres bei Paris. Alexandra, geb. 28. März1920 in Berlin, verh. mit Wlad. Alexandr. Kurbatow aus Tiflis. –Marina Louise, geb. l. Aug. 1922 in Berlin, besucht das Lycée Jeanne Hachett in Beauvais (Oise) Frankreich.
Ueber die Familie von Arronet  (фон АрронетВ.С.) wird Ihnen vielleicht schreiben meine Kusine Eugenie von Arronet, geb. Nicolay: Auseekla iela 9, Riga. – Vielleicht – denn sie hat viel im Hause zu tun & verfügt kaum über freie Zeit.
Wenn Sie sich auch für einige Finnländer interessieren, wird Ihnen mein alter Freund Herr Emil Krook in Ekenäs (russisch oder besser deutsch schreiben). Er war gut befreundet mit Hans Schönekerl & verschieden Deutschrussen, auch natürlich mit Finnländern, wie Juwelier Alexander Tillander, (Александр ТилландерВ.С.)  der in Helsingfors der erste Juwelier ist in der Alexandersgatan. Die Witwe von Krooks Bruder Axel, ist eine geb. Amy Carr, pbger. Engländerin. Emil Krook verfügt über freie Zeit & wird sicher antworten. –
Ueber unsere Familie muss ich nich sagen, dass unsere Ahnen aus aus der Picardie (Nordfrankreich) stammten. Sie waren Protestanten (Hugenotten) & nach Aufhebung des Nanter Edikts durch Louis XIV mussten sie auswandern, um den Protestantenverfolgungen zu entgehen; sie durchzogen Deutschland & lebten einige Zeit in Schwedt an der Oder nicht weit von Stettin . Mein Urgrossvater immigrierte dann nach dem Baltenlande & zwar nach Pernau, wo mein Grossvater geboren wurde. Also seit Ende des 18. Jahrhunderts waren wir russische Untertanen. – Seit bald 10 Jahren habe ich mich wieder als französischer Bürger naturalisieren lassen, denn es ist immer besser Bürger des Landes zu sein in welchem man lebt. Und das Leben hier ist bis jetzt sehr angenehm & sehr abwechslungsreich & gegenwärtig durchaus nicht teuer & man kann alles haben & soviel man will, ausser Vogelmilch, wie man bei uns zu sagen pflegte. –
Nun will ich noch einige Familien nennen, über die ich aber nicht genau so schreiben kann, da vieles nicht weiss:
Windelband Wass. Wass. (Виндельбанд Василий Васильевич – В.С.) Architekt. Freund meines Vaters. War ein interessanter witziger, geistreicher Mensch, der aber infolge irgend eines Zwischenfalls plötzlich tiefsinnig wurde & allen Witz verlor. Verh. mit Jenny Iwan. Eckhardt, (Женни Ивановна ЭкхардтВ.С.) deren Vater Juwelier war & für meines Grossvaters Geschäft gearbeitet hatte. Söhne: Wilhelm (Wass. Wsss.) Annenschüler, wie alle Windelbands; nach Absolvierung der Universität bekam er eine Stelle im Senat, durch eine Empfehlung meines Vaters an Reichsbankdirektor Pleske, wohin bald auch sein Freund & Schulkamerad Peter Lwowitsch Bark eintrat. Später wurde Bark Direktor der Wolga-Kama-Bank & nahm auch Windelband mit, wo letzterer bis zur Revolution blieb, wäh­rend Bark nachher Finanzminister wurde, wie Sie wohl wissen. Die letzten Jahre lebte Bark meist in London & war verheiratet mit einer Baronesse Sofie Behr.   Windelbands blieben in Pbg. W.W. soll vor etwa 10 Jahren eine Witwe Glinka geheiratet haben. Bark sah ich zuletzt zum Annenschuljubiläum hier 16 Jan. 1936 & genau ein Jahr darauf 16 Jan. 1937 starb er in Nizza. Der zweite Windelband Alexei war Dr. med. verh. mit Alma Papmehl, Verwandte von Königs, starb noch vor dem Kriege, falls ich nicht irre. Nikolai – war wie der Vater tiefsinnig; Iwan Wass. Beamter in irgend einem Ministerium & Leo, den ich wenig kannte. Wass. Wass. spielte Cornet-a-pistoos, Alexei Cello, Nikolai Klavier & Iwan Geige. Die Mutter war auch sehr musikalisch & sehr sympathisch. Starb vor ca. 6 Jahren 80-jähr. in Pbg.
Hans (Iwan Fedorowitsch) Schultze, dessen Mutter eine geb. König war, geb. 1873 od. 1874 in Pbg. wurde ein ausgezeichneter Landschaftsmaler, dem besonders Sonnen, Mond & alle Lichteffekte gelangen & hatte er das Glück gehabt auf Ausstellungen am meisten zu verkaufen, schon in Pbg. Seit 1920 lebt er in Frankreich meist in Paris & war einer der gesuchtesten Maler; in guten Jahren verdiente er bis zu einer Million Franken im Jahr, was ein ganz seltener Erfolg ist in der Kunststadt Paris, denn keiner kam ihm in Sonneneffekten gleich.
Leider konnte er sein erworbenes Kapital nicht festhalten & hat alles verloren durch zu grosse Generosität & war ein Freund von guten Weinsorten & (anderen) Annehmlichkeiten des irdischen Lebens. Bei seinem guten Herzen & Hilfsbereitschaft wurde er stark ewploitiert – er hat wirklich sehr vielen geholfen & war in jeder Hinsicht sehr freigiebig & sitzt er da fast ohne Mittel in Südfrankreich, lebt sehr bescheiden & glaube ich kaum, dass er Energie besitzt zur Arbeit. Dieser gute talentvolle Mensch kann einem am meisten leid tun. Seine Tochter Margarita Iwan. aus erster Ehe mit einer geb. Gürtler ist verheiratet mit einem russ. Ingenieur Sachnowsky & leben in Miami in Fflorida, Nordamerika, besitzen einen Sohn. Sachnowsky hat durch Naturereignisse: Orkane, Ueberschwemmungen & etc. seine ganzen Plantagen & das hereingelegte Geld verloren & ist ausserstande dem Vater Schultze zu helfen, während er ihnen nach diesen Orkane viel geholfen hatte. – In Berlin lebt ein Onkel von Schultze, Dr. med. Samuel Iwanowitsch Schmidt, Seestrasse 104, Berlin Nr. 65, der 80 Jahre, aber noch recht rüstig ist. Vielleicht wird er Ihnen manches noch über Schmidts & Schultzes mitteilen können. Er ist wie Schultze mein Duzfreund. Auch mit Königs verwandt.
Familie Förster: der alte Förster war Mitinhaber des "Magasin de Paris" im holländ. Kirchenhause, Ecke Bol. Konjuschennaja, hatte sich später nach Frankfurt a. M. zurückgezogen. Söhne Robert, hatte in Pbg. ein Speditionsgeschäft, ist 2 Teilhabern; ich glaube, einer hiess Günther, den ändern habe vergessen. Dann Karl Förster, verh. mit einer geb. Rinck-Wagner, lebte in Odessa, jetzt schon lange in Berlin, wo er ein Restaurant besitzt & werden Sie ihn sicher kennen, er wird Ihnen genau über alle Försters & Provés & Kornatz &c mitteilen. Der jüngste Richard war zuerst in Frankfurt kaufmännisch tätig, ging dann nach München & wurde Bildhauer, wo er noch lebt; Schwanthalerstr. 41.
Tiedemann, Georg Juljewitsch, aus Pernau geb., war viele Jahre Leiter der Apotheke am Militär Hospital auf der Wiborger Seite & gleichzeitig Dozent der Chemie an der Woenno-Feldscherskaja Schkola. Ein alter Freund der Familie Fabergé-Jacobs. Starb in Pbg. ca. 77-jähr. (pensionniert) 1918. Staatsrat.
Christian Giel aus Wiesbaden gebürtig, war Erzieher der Grafen Iwan Iwan. & Dmitrij Iw. Tolstoy, hervorragender Numismatiker. Ihm zu Ehren wurde sogar eine Kupfermedaille geprägt mit der Umschrift: Dejatelju po Russkoj Numismatike. En sehr interessanter Gelehrter & gemütlicher Mensch .Geb. 1827. Seine Idee war es das Museum der russischen Kunst zu gründen, welches den Namen "Musei Imperatora Alexandra III" bekam. Er starb im Sanatorium Lahmann im "Weissen Hirsch" bei Dresden 1904, wenn ich nicht irre. Graf Iw. Iw. Tolstoy, Vizepräsident der Akademie der Künste, & ich, auch eine ehem. Schauspielerin aus der "Palme" Hanna Kiessin waren die einzigen Leidtragenden bei seiner Bestattung dort selbst.
Familie von Nottbeck. Über diese wird Paul v. Kügelgen berichten können.
Zeidler. Da war der berühmte Chirurg Zeidler & sein Bruder auch Dr. med. Schwester Klara Fedorowna, bedeutende Kunstgewerblerin: erst an der Stieglitz’schen Schule tätig. Jetzt in Tallinn, Stiftstrasse 3.
Hesse, Hermann aus Dresden gebürtig, hatte an der Gorochowaja ein Veloziped, Nähwaschinen & Grammofongeschäft. Zog sieh später nach Berlin zurück, lebte eine Zeit in Dresden, dann wieder in Berlin, wo er 80-jähr. starb. Ein Sohn & 2 Töchter leben in Berlin: Marie von Luzewitsch, geschieden, nennt sich jetzt wieder Hesse, Bambergerstr. 51, IV & Elisabeth Brickmann, Motzstr. 47. Frau Hesse war Russin. Starb vor ca. 3 Jahren.
Asmus, Karl Petrowitsch, war tätig in der Intern. Kommerzbank in Pbg., jetzt hier: 2 Boulevard Emile-Augier, Paris 16.
Von Witte. Hermann war verh. mit Amalie Fedorowa, Tochter des Bes. des Magasin de Paris (nach Förster), starb 1926 in Nizza, die Witwe lebt noch dort.
Sein Bruder Ernst Konstantin mit Frau Maria Konst. geb. Tscharodejewa, geschieden.
Brandt (Ed. Wass. Brandt, der Prokurist war in der Firma Ad. Lessing am Konnogward. Boulevard) lebt in Nizza, Palais "New York", log. 8, rue Frédéric Passy. (Er nennt sich Konst. Karl.) Schreiben Sie ihm, er hat freie Zeit & ein gutes Gedächtnis & wird Ihnen von grossem Nutzen sein.
Ein dritter Witte arbeitet in der russ. Buchhandlung "La Maison du Livre", 9 rue de l’Eperon, Paris 6. Herr Witte wird auch wohl über Fedorows berichten können; das war auch eine grosse Familie: Adolf war Mitarbeiter der St. Pbg. Zeitung, auch Schriftsteller, witzig & gemütlich, dann war er Lehrer in Tomsk, wo er starb. Eugen war verh. mit einer geb. Müller, die orthodox war, während Fedorows Lutheraner waren. Leo ein Kamerad meines Bruders Alexander. Dann noch mehrere Töchter.
In Nizza lebt Alice Ernestowna Kossowitsch-Schubert, Tochter von Kr___t Schubert, Mitdirektor der Russ.-Amer. Gummimanufaktur.
Dürr, Heinrich Oskar., Mitinhaber der Firma Kos & Dürr, Gorochowaja 1; (verh.) mit Antonina Efimowna Stepanowa; Dürr lebte lange in Juan-les-Pins bei Cann, dann in San Remo, Italien & starb dort am Krebs 8 Aug. 1933. Seine Mutter & B.___ leben soviel ich weiss in Berlin, seine Witwe in Tallinn.
Trautschold, Wilh. (Wass. Wass.) Petriner, Orientalist; war Gesandtschaftsstudent in Tokio, dann Konsul in Hakodate, dann Generalkonsul in Bangkok, dann in Charbin. Nach der Revolution Generalkonsul auf den Hawai – Inseln; kam dann nach Frankreich mit seiner jungen Frau Elisabeth, Tochter des russ. Generalkonsuls Grosse aus Shanghai, siedelte sich in Roquebrune an, zwischen Monaco & Mentone, verlor nach kurzer Ehe seine Frau, die an Scharlach starb. War 5-6 Jahre Witwer, heiratet dann eine Charlotte Galicenstein aus Nürnberg, (aber Oesterreicherin), lebte glücklich. Starb 60 Jahre alt am 7 Juli 1937 an der Brustbräune in Nizza. Seine Bruder leben in München: Adressen habe nicht unter der Hand. Er war ein guter Freund von mir, den ich stets besuchte, wenn ich an der Riviera war.
Sein Schulfreund Tamberg, war lange Zeit in Russ.-Asiat. Bank in Peking tätig, auch als Sekretär des Direktors, & späteren Gesandten Pokotilow. Wenn ich nicht irre, soll er noch in China leben.
Paetz, Robert, deutscher ehem. Kolonist aus Archangelsk, verh. mit einer geb. Hoppe, siedelte sich in Raivola in Finnland an; hatte 2 Söhne, die beide in jüngeren Jahren starben; die älteste Tochter, verh. mit dem Miniaturenmaler Alexader Petr. Blasnow, leben noch in Raivola haben eine Tochter Irina, die zweite Emilie (nennt sich jetzt Ludmila Romanowna), verh. mit Jakob Diamant, lebte erst in Wiborg – nach der Revolution –, dann zogen sie nach Chicago; wo er eine Waffelfabrik besass & sie Tanzunterricht gab; sie war selbst Schülerin von Valentin Iwan. Pressnjakow in Pbg. Jetzt sind Diamants in London.
Boris Wass. von Mickwitz, ehem. Direktor der Pbger. Nähzwirnmanufaktur lebt mit Frau in Wien, Währingerstr. 94/23 (alte Adresse). Sein Bruder Gabriel war in unserer Firma in der Buchhalterei tätig. Dessen Sohn René ist Opern & Chorsänger & lebt meist in Paris. Gabriel starb vor mehreren Jahren in Wesenberg. Dessen Frau eine Schwester des Dr. Schomacker. Dann lebte in Pbg. noch ein Dr. v. Mickwitz, dann der Augenarzt Th. Germann, Dr. Westfahlen, Dir(ektor) des Alexandr-Hospitals für Männer, Dr. Schiele, der von den Bolschewiken erschossen wurde; der Augenarzt Weyert, an der Augenklinik in der Mochowaja tätig; der Augenarzt Dohnberg; & noch so viele bekannte deutschrussische Aerzte, wie Dr. Barthel, Peterson, Trinkler, Leibchirurg Ott, Nasenarzt Nik. Iw. Lunin, ein Balte; Dr. Alfred Feldt, auch Nasen &c. -Arzt. War verheiratet mit der Witwe des Fotografen Pasetti, lebte nach der Revolution mehrere Jahre in Wiesbaden, übersiedelte dann nach Paris, wo er eine gute Praxis hatte; nach dem Tode seiner Frau, heiratete er deren Freundin eine Schweizerin aus Aargau. Er litt an einem komplizierten Leiden: Kyste am Herzen & starb während der Operation am 14 Mai l931, ca. 56 Jahre alt. Er war aus Libau gebürtig. – Dann Dr. Mobitz, Masing, Nik. Nik. von Gube; Dr. Moritz; Schwabenbach, Tilig; Rühlmann; Dr. Kernig, Direkt. des Obuchow Hospitals: & so weiter.
Dann die vielen Pastoren: Bischof Konrad Freifeld, Malmgren, Findeisen, Fehrmann, Masing, Keussler, dessen Sohn sich in Deutschland als Komponist & Dirigent betätigt, doch weiss ich nicht genau – wo; Pastor Walther, Pingoud, Hesse, Müthel, Gelderblom, sein Vorgänger Dalton: der holländische Gillot & sein Nachfolger Pantekook, Heller, Pastor Dr. Jakob Hurt an der estnischen Johanniskirche. Sein ältester Sohn Max Hurt, Petriner, war Gehilfe des Landwirtschaftsministers in Tallinn. Er wird Ihnen genau über alle Hurts berichten können, doch kenne ich seine Adresse nicht. Er ist dort aber sehr bekannt. Da Gitter um den Grabplatz des alten Dr. Hurt in Dorpat ist nach meine Zeichnung ausgeführt. Der zweite Sohn Rudolf war Pastor in (damals) Reval, er starb zu Beginn der Revolution. Seine Witwe Helmni, geb. Lipp aus Nüggen ist Fotografin & besass ein Atelier Augsburgerstr. 50, soll aber umgezogen sein. Ihr ältester Sohn Gunnar ist mein Taufsohn. (Pastor Crottet an der franz.-schwedt. Kirche (calvinistische)).
Über alle in Riga lebenden Petersburger werden Sie am besten durch Erwin von Kube erfahren.
Dann müssen noch die verschiedenen Lehrer genannt werden: wie Direktor Friesendorf, der sich nach Freiburg im Breisgau, Baden, zurückgezogen hatte, wo er wahrscheinlich gestorben ist, denn er müsste jetzt 91 Jahre alt sein. Unser Inspektor Ed. v. Collins starb schon vor sehr vielen Jahren, dann Ed. v. Koerber, Schönfeld, Guleke, Glaeveke aus Rostock & sein Landsmann Ackermann, der später die Krumbholzsche Pension übernahm, die er bis zur Revolution innehatte; Woronowicz, Steinmann, der später Direktor der Petrischule wurde & während des Krieges starb. Pastor Dobbert aus Zarskoje Selo, der Religionslehrer bei uns war. Nathing, Bonjour aus Neuchâtel; Nussbaum, ein Schweizer; Prof. Wulffius, sein Bruder Organist an der Annenkirche; Prof. Homilius berühmter Organist, sein Sohn - Petrischularzt Karl Homilius; dessen Bruder Woldemar - ich weiss nicht was er war. Ich entsinne mich noch des alten Homilius, Vaters des Organisten, der ein berühmter Waldhornist war? Auch war er Prof. am Konservatorium, wo sein Sohn auch.
Unsere Familie war auch befreundet mit dem Direktor des Konservatoriums Prof. August Bernhardt aus Reval gebürtig: seine Frau hiess Adele. Sie hatten einen Sohn Hermann, der schon lange in Amerika sein soll, auch 2 Töchter. Über Bernhardts werden Sie vielleicht durch Alex. Plate etwas erfahren können durch Vermittlung von Frau Gutheil. - Dann war da noch ein Klavierprofessor Lütschg aus Glarus in der Schweiz gebürtig, der eine Musikschule mit Wissendorf & Borowka leitete, Newsky 16. Der zweite Sohn von Lütschg Adolf war rein Kamerad bei Krumbholz, dann beendete er die Reformierte Dschule (vielleicht, Dschule = deutsche Schule?) & wurde Lehrer. Er war ganz unmusikalisch, während sein ältester Bruder ein guter Pianist war, auch der folgende; aber Adolf war trotzdem musikliebend. Er starb während des Krieges. – Dann war noch sehr bekannt die Mädchenpension von Stunde-Feldmann, der ein echter Deutscher war, während seine Frau Doris, eine geb. Hinze war, Schwester des Nervenarztes Viktor Hinze am Krjukow Kanal. Frau Hinze war eine geb. Hau-Tochter (oder Grosstochter?) des des sehr geschätzten Miniaturenmalers Hau, der zur Zeit Nikolaus I in hohem Ansehen stand & dessen Arbeiten noch heute in Paris gute Preise erzielen. Hinzes hatten 4 Söhne & eine Tochter: Petriner: Bruno, mein Freund, wurde Beamter in Warschau, dann in Pbg. Viktor, Militärarzt, Reinhold – weiss nicht mehr, was er war & Magnus, Künstler & Hilfsbibliothekar an der Stieglitzschen Kunstgewerbeschule. Die Tochter Viktorine war, glaube ich, Lehrerin bei Feldmanns. Bruno starb i den Kriegsjahren; er war verheiratet mit einer geb. Tillemann & hatte Kinder. Von der anderen weiss ich nichts mehr.
Dann war in Pbg. ein Dr. Ebermann, mit dessen Sohn Heinrich ich auch in der Klasse war; er wurde Elektrotechniker. Seine Schwester heiratete Rudolf Gross (Cross), der auch Petriner war, preussischer Abstammung. Sie lebten später in Riga, wo Gross (Cross) gestorben ist. – Eugen Elsholtz, mecklenburgischer Abstammung, Petriner, war verh. mit einer geb. Waterstraat, Tochter des bekannten Opernflötisten & Prof. am Konservatorium, holländischer Ab­stammung. Nach seiner Scheidung heiratet er eine andere. Leo Boltenhagen, auch macklenburgische Abstammung, Katharinenschüler, absolvierte die Universität, war dann an der Metallfabrik tätig & später wurde er ein tüchter Metallagent. Lebt jetzt in Charkow. War verh. mit einer geb. Sesemann, hatte eine Tochter. Nach seiner Scheidung heiratet er die geschiedene Frau seines Freundes Smirdin. – Die 3 Letztgenannte: Gross (Cross), Elsholt & Boltenhagen waren bei uns Hauslehrer, resp. Repetitoren, als wir zur Schule gingen... – Dann waren noch Freunde meines Vaters, die bei uns verkehrten: Adolf Lortsch, Heinrich Storre, Handelsagent, Otto Müller, Julius Heyse, Direktor der Russ .-Amer. Gummifabrik, Adolf Wülbern aus Bremen, Dir. (Direktor) einer Baumwollfabrik, der taube aber gemütliche Lille, bei Nottbeck tätig; Grootten , Börsenmakler; Stenge, in der Auskunftei Schimmelpfeng tätig; der Juwelier Julius Butz, Papas Jugendfreund, der dicke Plate; Bergmanns Fritz & Iwan Iwan.; Friedrich Alexandrowitsch Gutheil, der eine Militärknopffabrik besass & mit einer geb. Monin verh. war. Sie hatten 2 Töchter: Elisabeth verh. mit dem Sohn des Gesangsprof. am Konservatorium Gabel & Wally, die Leo Lorenz heiratet, doch starb er schon lande zurück; Gutheils Sohn wurde von den Bolschewiken ermordet.; Alexei Jegorowitsch König, verh. mit Alexandra Papmehl, haben 2 Töchter: eine ist mit verh. mit dem englischen Komponisten & Pianisten Collingwood, leben in London, Alex König ist schon längst tot. – Friedrich Lorenz der mit Lemoch, dessen Frau eine geb. Lorenz war ein Teppichgeschäft im Gostsinny Dwor hatten. –Dann Franz Karlowitsch Bastian, der Spanischer & portugiesischer Generalkonsul war, verh. mit Alma Nikolajewna Franzen. Er starb in Pbg. während der Revolution im Gefängnishospital, während sie erst in Finnland lebte & jetzt hier bei ihrer Tochte Alma Courtney lebt, deren Mann ein amerikanischer Journalist ist & sie leider verlassen hat: die älteste Joanny hat im Juni einen jungen Vicomte de Foucauld geheiratet, die jüngste Françoise besucht noch die Schule. Almas Schwester Stell, war verh. mit einem Kasterin, geschieden, jetzt verh. mit einem Serbinow, leben bei Antibes an der Riviera. – In London lebt der Petriner Ernest Ernestowitsch Gambs, nicht offizieller russicher "weisser" Konsul; Adresse: Russian Refugee Relief Office, 98 Gr. Russel. Str. London W.C.1. Er kennt alle dort lebenden Russen. Er wird über seine Familie berichten können, wenn er Zeit hat, wohl auch über manche andere. – Kurt Siegel besass in Pbg. eine grosse Fabrik für Zentralheizung & Wasserleitungsanlagen an der Jamskaja. Er starb in Pbg. Eine Tochter von ihm, Eugenie, jetzt Frau Doktor Kunze-Fechner lebt: Haus am Brunnen, Wiessee am Tegernsee, Oberbayern. Ich kannte sie nur als junges Mädchen. Die Eltern waren unsere Kunden & hatte Herr Siegel die Wasserleitung in unserem Hause installiert. Da war noch eine Tochter & ein Sohn, der ein sehr talentvoller Bildhauer ist & macht speziell Pferde. Wo er lebt, weiss ich nicht. –
Sehr bekannt waren die Familien Othmar-Neuscheller & van Gilse van der Pals, die alle Gummigaloschen von der Gummimanufaktur abnahmen & umsetzten. Max Neuscheller war verh. mit einer Kusine von van der Pals (wenn ich nicht irre) Cornelie. Sie starb in Berlin & er in Moskau in der Trambahn, während der Revolution. Der älteste Sohn Leopold ist verh. mit der ältesten Tochter von Andrei Andrejewitsch van der Pals & leben (wenn ich nicht irre) in Dormach bei Basel. Beide Familien waren recht gross & können Sie Genaueres erfahren, wenn Sie sich an Maxim Andrejewitsch van Gilse van der Pals wenden, der in Lohja, Nylan____ Finnland lebt. Ein Sohn v. d. Pals ist Komponist & Kapellmeister.
Duperron. Herr Duperron war Teilhaber der Firma Stoll & Schmitt, seine Frau, eine sehr nette Dame, starb schon sehr lange zurück; er ist auch lange tot. Der älteste Alexander Alexandrow. war als Kind ungewöhnlich gross geraten, auch seine Schwester Louise, die mit einem Beamten Popow verheiratet war. Alex. gew. Schuscha genannt, wurde später Friedensrichter. Der zweite Georg war als Sportmann & Sportredakteur bekannt, der jüngste Fedja war als Kind sehr kränklich, epileptisch & wurde stets im Rollstuhl gefahren. – Die drei ältesten waren Petriner. Georg starb vor einigen Jahren in Pbg. –
Familie Lampe: Oskar Lampe Banquier hatte 3 Söhne: Eduar lebt hier: 2 Villa Chanez, Paris 16 & wird Ihnen über seine Familie mitteilen können. Sein Bruder Wass. Osk. war auch hier, doch weiss ich nichts mehr von ihm; der dritte war Militärarzt, Name vergessen. Ed. Wass. hat eine grosse Bekanntschaft & könnte Ihnen von Nutzen sein. – Oskar Lampe hatte einen Bruder Viktor, über den ich nichts weiss. Ed. Wass. ist im Börsenfach tätig. –
Da waren noch manche Börsenmakler, wie Detlev Helmcke, dessen Frau, glaube ich, eine geb. Dabo war, Verwandte des Bildhauers Auber in Pbg .(Französin); Ein Sohn Paul & 2 Töchter. Helmcke war auch ein guter Freund meines Vaters.
Van der Vliet, Jakob; sein Sohn Wass. Jakowlewitsch wurde Senator & lebt in Kopenhagen-Christianshavn, Skt. Annegade 26-B. Wenden Sie sich an ihn.
Havemann; Pleske; Cumning; Wiegand; Schaufelberger; Pommer, waren Makler & denke ich, dass Herr Lampe über sie wird mitteilen können. –
Börsennaotar Franz Holm war eine sehr bekannte Petersburger Persönlichkeit, berühmt als Ballettoman; auch wurde er "posharnik" genannt, teils wegen seiner rötlichen Nase, teils, weil er bei jeder Brandfeuer zugegen war, wie der Gradonatschalnik.
Banquier Meyer, Inhaber der Bank F.M. Meyer & Co. verh. mit einer geb. Bohnstädt. Recht grosse Familie; auch sein Teilhaber Herr Schwarz hatte viele Kinder. In der Bank war auch sein Bruder oder Vetter Moritz B. (R. ?) Meyer.
Zwei Familien Bohnstädt; einer war verh. mit einer geb. Junker. –
Fritz Junker, Banquier, längst tot; hatte 3 Töchter: eine war verh. mit einem Fleischauer & lebten in Dresden, die zweite – mit Alexander Spiess, Direkt. der Tabakfabrik "Laferme", die jüngste – mit Krohn, Weinfirma. Soviel mich entsinne, wurde sie geschieden & heiratete einen andern, doch habe ich vergessen, wen. Vielleicht weiss Plate, wo Frau Spiesse lebt; sie kannte auch viele.
Familie Tillmanns spielte auch eine gewisse Rolle unter den Industriel­len. Herr Tillmanns, i Linie 2, war verh. mit einer geb. Schinz (Schweizerin); hatten eine Tochter Gretchen, war verh. mit Albert Schönekerl, der starb, sie hatten 2 Töchter. Sie heiratete wieder, doch komme ich nicht auf den Namen (Sodtmann).
Ueber Schönekerls & Tillnanns wird vielleicht Herr Emil Krook in Ekenäs etwas wissen oder mitteilen, wo Sie etwas erfahren können. Eine Fr. L. Schinz, Nichte von Frau Tillmanns, heiratete den Schweizer Schneider Henry Vollenweider. Sein Bruder verunglückte bei einer Segelpartie in Finnland im Jahre 1920 oder 21.
Wilborg & Golicke, Besitzer einer erstklassigen Kunst & Farbendruckerei.
Der alte joviale Herr Wirckau war auch ein Freund & Clubkollege meines Vaters. Über ihn & manche andere können Sie erfahren bei seiner Nichte Frau Warwara Pawl. Moldehnke, Grosse Klosterstr. 3 (alte Adresse), Tallinn.
Mein Vater lange Jahre Vorstandsmitglied im Deutschen Club am Demidow pereulok. Ebenso Herr Kammerjunker Fr. von Kjaer, Däne, Dir. der Dänischen Kabeltelegrafgesellschaft, gest. 1. Febr. 1930 in Hellerup, wo seine Söhne noch leben. Callicensvej 13 (Irrtum) Bredgade 30, Kopenhagen.
Über Weinhändler W. Schütt & seine grosse Familie wird Dagmara Romanowna Ebert alles Wissenwerte sagen können. Dann waren noch Weinhändler Ritscher, Denker, Totien, wo ein Sewigh (Woldemar) tätig war.
Dann einige Juweliere: Arndt (Schweizer), Bock, Guérriat, Besten-Bostel. Die Firma Arndt besass später der Franzose Laugier. – Uhrmacher: Moser, Bes. Winterhalter; Paul Buhre; Winter; Altschwager; Numa Droz (lauter Schweizer) & c.
Klavierfabrikanten: Schröder, Becker, Diederichs, Mühlbach; Leppenberg & c.
Architekt Meltzer, der jetzt in Tallinn lebt; seine Frau starb hier einigen Jahren. S Bruder der Möbelfabrikant Meltzer, hatte viel Geschmack.
Roman Rom. Meltzers Adresse werden Sie in Tallinn erfahren. Als alter Peterburger wird er Ihnen, wenn es ihm seine Krfte erlaben wird Interessantes erzählen können.
Architekt Mieritz, Arch. Lidval, Schwede, aber Petersburger. Seine Brüder Hofschneider leben in Stockholm alle (Fedor Iw. längst tot).
Waffenhändler Wenig, ein Vetter meines Vaters, dessen Mutter Emilie, Grossvaters Schwester war. Wenigs Onkel war ein hervorragender Genre-& Historienmaler. Dann hatten wir noch einen alten Grossonkel Bergemann. Über Wenigs & Bergemanns wird Arch. K. Schmidt genauer sagen können. –
Brüder Renault, belgischer Abstammung, Besitzer des Hôtel de France; einer verh. mit Sofie Goetz, Tochter des Börsennotars, die zuerst mit einem Rothermund verh. war. Sie besassen viele Jahre in Paris das ausgezeichnete russ.-franz. Restaurant "Au Caneton" an der Börse, leben jetzt in Nizza & haben auch ein Restaurant unter demselben Namen. –
Karl Fed. Woerffel, Besitzer einer Bronzegiesserei & Steinschleiferei, die später unserer Firma gehörte; sein Schwager & Mitarbeiter Alexander Iwan. Meyer.
Schokoladenfabrikant Krafft; Konditor Conrаdi Aus d. Kanton Graubüden stammend; ein Sohn von ihm erschoss in Lausanne den Bolschewik Worowsky. Kon­ditor Landrin, finnl. Abstammung. Konditor Berrin, franz. Abstammung; Ballet Octo.
Franz von Krauskopf, Dir. der Gummifabrik hatte mehrere Töchter; eine war verh. mit Ostermann, heiratete später Franz Uthemann, auch Gummidirektor, wie sein verstorb. Vater. Uthemann starb in Luzern vor 5-6 Jahren; die Witwe lebt in Genf (Adresse kann ich erfahren), eine ihrer Töchter starb auf nicht ganz aufgeklärte Weise in Paris, die andere ist, soviel ich weiss verheiratet mit einem Serben; ein Sohn ist auch da. –
Suckau, Ing. Petriner. – Familie Sucko – ich glaube mit Spahns verwandt.
Kunsthändler Fietta aus Triest stammend; dito Daziaro, Avanzo; dann Velten im holl. Kirchenhause. – Buchhändler Eggers, Ricker (Picker ?), Zinserling, Wolff, verh. mit einer Tochter des Hofjuweliers Gustav Bolin. – Eduard Karl. Bolin, dessen Bruder, verh. mit Marie Meiser, besass eine schöne Villa in Gernsbach bei Baden-Baden (die ich aber nicht kannte), 3 Töchter (F. Ebert weiss besser Bescheid).
Kirschten, auch Gummileute. Die Witwe soll in München leben. 4 Töchter.
Struck, Schmirgelfabrikbesitzer. – Stucken; der alte war ein Original; ich habe ihn nicht gekannt. Eine Tochter war Frau Oskar Lampe. –
Viktor Schwarz, Druckereibesitzer; seine Schwester Rosalie. –
Lange – eine zahlreiche Familie: Leopold Lange war Violinist & Mitglied des Operntheaters, unverh., sein Bruder Sachon war kaufmännisch tätig, verh., beide tot, der dritte Willy lebt in Jugoslavien; eine Lange war erste Verkäuferin bei "Alexandre", eine verh. mit Notenhändler Göhner, & noch andere Töchter.
Pastor Camillo Bertoldy in Peterhof, sein Sohn Reinhold, mein Klassenkollege, wurde später Beamter im Unterrichtsministerium, verh. mit einer von Bock, Schwester des Petriner Nik. v. Bock. Eine geb. Bertoldy war verh. mit dem verstorb. Kunsthändler Manfred Busch. – Esch, Wlad. Wass. lebt in Berlin, sein Bruder Sergei Wass. Reform. Schüler, besass eine Schiffswerft, jetzt in Nizza. –
Sperk, Boris Ed. Ing. Petriner, Zizikarskaja ul. 9, kw 7, Charbin, Mandschukuo. Er hatte einen Bruder, der Filosof war. Aufenthalt unbekannt. –
Alexander Ern. Gambs lebt in Nizza, doch habe ich nicht auffinden können.
Theo Devrient, verh. mit einer geb. Goetz (Notarstochter), lebt in Stasbug, 5 rue Charles Bergmann, Agent für die Leipziger Mustermesse. –
Pastor Riemer, Past. Wegener. – Petrischullehrer: Arthur Koch, Wasem, Giencke, Williams, Rodin, Mathematiklehrer & Astronom; Titjens, Rühlmann; Thomson; Seyboth; Linde; Anspach; Direktor Schneider, früher Annenschulinspektor; Jos. König, Annenschuldirektor: Henning, Annenschulinspektor; Frl. Froben, Direktrice der Annen-Mädchenschule, soll in Finnland leben bei Wiborg; Mügge, Direktrice eines Mädchenpensionnats; dito Frl. Ertmann; Wiedemann, Direktor einer Knabenschule; Dr. med. Steinmann, Sohn des Direktors; - Dlussky, Petriner, Sohn des s. Z. (seiner Zeit ?) berühmten Konzertgitarristen, zeichnete sich durch ungewöhnliches Gedächtnis aus; 2 Brüder Wirth, Willy & Fritz, Söhne eines Buchbindermeisters. – Alexander Alvang, Freund meines Vaters, Besitzer eines Bankhauses, verh. mit Antoinette, geb. Schmidt, Schwester des Dr. med. Alexander Ed. Schmidt, Dir. des Pbger. Gebärasyls; sie war früher verh. mit Apotheker Wulf. – Olga Alexandrowna Schkil, geb. Olderogge, geb. 1898 in Pbg.; ihre Brüder: Nik. Al. starb in Polen, Alexander A. General, von den Bolschewiken erschossen, Alexej Al. ehem. Offizier des Finljandskij Polk, lebt hier, wie die Schwester. – Beseel, Alexander Wass. schwed. Abkunft, Notenhändler, lebt hier, 78 rue de Monceau (Notenhandel). – Graf Johannes Michalsky, dessen Mutter eine geb. Jürgens war, Balten, leben in Berlin. – Alexander Fischer, ehem. Buchhalter & Faktotum der Firma "Alexandre", endete durch Selbstmord zu Beginn der Revolution, seine Schwester Johanna, verh. mit Epinatjew, lebt in Tallinn. – Dröphake, Alexander lebt in Hamburg (Firma Sachs), sein Bruder Christian lebt in Stockholm. – Sternitzky, Deutscher, lebt in Berlin (Frl. Lina Fey kennt seine Adresse). – Drögemöller (weiss nichts Näheres über ihn). – Franz Foremny, Bruder von Frau Treuberg, war vor Fischer & bis zu seinem Tode lange Jahre Oberbuchhalter der Firma "Alewandre". – Albinus Hellwig, Schwager von Foremny, Farmazeut; sein Sohn Alexander wurde nach der Revolution Pastor in Wologda, weiteres Schicksal unbekannt. – Anneschullehrer Kieseritzky; sein Bruder oder Vetter war Konservator an der Eremitage; Baron Armin von Foelckesan – auch Konservator dort selbst, Balte. – Baron Moritz Fabianowitsch von Schilling, hauptsächlich tätig am Ministerium des Auswärtigen, eine zeitlang Gesandter am Vatikan, dann wieder am Min. d. Ausw., nach der Revolution erst in London kaufmännisch tätig mit A.A. Treuberg, dann in Paris, starb hier 17 Sept. 1934. – Benaud, Konst. geb. 1871, Annenschüler, sein Sohn Georg, geb. 1895 Reform. Schüler, franz. Abstammung; G. B. lebt in Vichy, seine Frau Olga Georg., geb. Tennisson aus Polen hat ein Modeatelier in Tallinn, z .Z. (zur Zeit) in Paris. – Stange, A1fr. Dawid., Chemiker, Karja tän. 1, Tallinn. – Sprink, Leo Iwan. Ref. Sch. Chemiker in der Firma Haehl in Robertsau bei Strasbourg. – Bielmann, ein sehr gesuchter Klavierlehrer, war u. a. dadurch bekannt, dass er nie hustete, denn in der Jugend wurde er & seine Brüder vom Vater verprügelt, wenn sie husteten. – J. H. Zimmermann, grosse Musikfirma aus Leipzig, einige Mitarbeiter: Bärwald, Anderson, Holzinstrumentenmacher Hörl aus Tirol. – Drei Brüder Krich, Balten, Petriner, einer war Dr. med. vermutlich in Estland. – Börsenmakler Mac Pherson, schottis. Abstammung. – Uhrmacher Jürgens. – Zahnarzt Klapproth, sein Sohn auch, lebt in Hamburg, verh. – Familie Naeboe (R. Ebert wird Bescheid wiesen). – Firma Knoop Leder- & Luxuswarengeschäft am Newsky. – Familie Spring aus dem Tutschkow per(eulok) ich glaube Katharinenschüler, musikalisch; einer spielte Fagott, zwei – Geige, einer, wenn ich nicht irre, Cornet-à-pistons; Schicksal unbekannt. – Aboling, 2 Brüder, besassen ein Lampengeschäft an der Wosnessenskybrücke, Petriner. – Zoege von Manteuffel, Balte, berühmter Chirurg. – Optiker Mielck. – Optiker O. Richter, Newsky 1. Bes. Hartmann, eine Tochter Lily zuletzt verh. mit ehem. Offi­zier Jakimowsky, lebte eine Zeitlang in Paris, dann, soviel ich weiss in Koblenz; die zweite Alma heiratete schon in Pbg. den franz. Grafen Greno, leben in Paris. – Bielmanns Bruder besass ein Klaviergeschäft; Bielmann spielte noch ausgezeichnet Cornet-à-pistons ausser Klavier. – Juwelier Saefftigen im Hause Elissejew, Morskaja 16 & sein Bruder, Amateur-Cellist. Kofferhändler Nissen im selben Hause, Petriner. – Auch Kofferhändler Müller, Morskaj. – Freimann grosse Billardfabrik. – Rud. von Freimann, Senator & Amateur-Metallarbeiter & Ziseleur, starb in Riga vor ein Paar Jahren. - Mechanische & Metallwerkstatt von Lemmericht. Klavier & Musikalienhändler Bernhardt, früher bei J. H. Zimmermann. – Notenhändler Leopas, Balte. – Dito Büttner. – Lange, Dir. (Direktor) des Hôtels Viktoria, Kasanskaja. – Lommatzsch, Dir. (Direktor) des Hôtels Dagmar, Sadowaja. – Beinroth war Geschäftsführer auf der Baumvollspinnerei von L. König. – Eine Frl. Eiche (Fiche) ist verh. m Prof. Sergei Grig. Elissejew, Sohn vom Delikatessen. – Elissejew, Gr. Grig.
Serg. Gr. gilt als ein ganz hervorragender Kenner der japanischen Sprache, Kultur & Geschichte; war hier längere Zeit tätig an der japan. Botschaft & am oriental. Musée Guimet & ist seit mehreren Jahren japanischer Professor an der Harvard Universität in Amerika. – Zahnärzte Kunze, Gohl, Kolbe sind mir in der Erinnerung. – Rosenblatt hatte ein Agenturkontor im Gostinny Dwor, lebt in Finnland. – Herberts, Vater & Sohn, Geschäftsleute. – Zwerner, Schweizer, Metallwarengeschäft. – Sein Bruder oder Vetter war Juwelier, Mitarbeiter von Bolin. – Ten Kate, holl. Zigarrenhändler. – Scholl-Engberts & Harmsen, holl. Abstammung, ich glaube sie waren Wäschehändler im Gost. Dwor. Ein Hermsen ist hier. Eine geb. Scholl-Engberts war verh. mit dem pbger. Holländer Kruytbosch, hatte eine grosse Familie, lebt bei London & starb dort, bereits als Witwe, im Herbst 1935.
Dora Scholl engberts (Scholl-Engberts) verh. mit dem ehem. Offizier Teterjabikow, in Russland geblieben; Petrischülerinnen. – Elisabeth Deibel, geb. Schmidt, auch Petrinerin, wie ihre Brüder Ludwig & Richard. – Familie Feiser, Deutsche; eine Feiser verh. mit Heinrich Sewigh in Tallinn oder irgendwo in Estland. – Roehr, Geschäftsmann: – war verh. mit einer Doucqué, die hier lebt mit ihrer Schwester Frau Szabo, deren Mann, ein Offizier in Pbg. starb oder erschossen wurde. – Die englischen Geschäfte Warburton, Morskaja; Druce im Elissejewschen Hause an der Polizeibrücke & das alte; längst nicht existierende von Nichols & Plincke; zwei Brüder Plincke waren später in Bankfach tätig. – Der englische Juwelier Nichols Ewing & Co. Newsky 2. – Franz. Handschuhmacher Gantier, Virenq, Malaval. – Restaurateur Milbret; Leinner; Lejeune; Spangenberg. Dann die französischen: Donon; Cubat, dessen letzter Besitzer. Almir Juin jetzt in seinem Heimatsstädtchen Conneré (Départment Sarthe) Bürgermeister ist; Contant, Dusseau & der Italiene Privato. – Lejeune gehört zu den Franzosen. – Dann komme ich auf den Namen des Dr. med. Wreden, dessen Sohn ich hier vor vielen Jahren getroffen habe. –
Italienische Familie Ciniselli, Zirkusbesitzer. – Fotograf Pasetti, später von Boissonas & Eggler übernommen. – Fotografen Renz & Schrader. – Fotograf Resch. – Café-Restaurant Dominique, gehörend den Schweizern Riz à Porte (Petriner). – Labhart, Modewarengeschäft im Gost. Dwor, Schweizer, – Matzner, kaufmännisch tätig.
Von Junkers darf man nicht vergessen den berühmten Afrikaforscher Dr. Wilhelm Junker. Sein Bruder Fritz, Banquier war verh. mit einer geb. Hillmann, der Mitdirektor war; auch Freunde meines Vaters. Ein Vetter auch Wilhelm Jun­ker, verh. mit Alexandra Bogdan. Hillmann war lange leidend, 1ebte stets im Auslande & starb, glaube ich in Wiesbaden. Seine Tochter Emmy heirate den Sektfabrikanten Heinrich Sönnlein dortselbst; der Bruder Willy war sehr musikalisch, auch komponierte er. Schüler vom berühmten Prof. Quast in Frankfurt a/M.
Familie Winckler, deutscher Abstammung; einer heiratete eine Goetz (Notarstochter; eine Winckler heiratete Rolf Nobel, leben in Djursholm bei Stockholm; Anna Karl. Winckler lebt in München als Frau Löffler, Prinzregentenstr. 19.
Und nun noch – last, aber durchaus nicht least – die Familie Nobel: Dr. h. c., Kommerzienrat & Excellenz Emmanuel Ludwigowitsch Nobel, die Seele des grossen Unternehmens, über welches verschiedene Werke existieren, wie über ihn selbst & seine erfolgreiche Tätigkeit. Er war ein ganz selten sympatischer, interessanter & in jeder Hinsicht braver Mensch, der leider nicht allzu alt im Juni 1932 in Stockholm nach längerem Leiden starb; unverheiratet; er wurde nur 72 Jahre alt. Sein nächster Bruder Ludwig war verh. mit einer Johnson, sie verloren ihre 2 Kinder bei einem Brande der Villa in der Kirjola, Finnland. Lebten später in der Nähe von Stockholm, wo er noch vor Emmanuel starb. Bruder Rolf, wie gesagt, mit Louise Winkler verh. haben 4-5 Kinder; Bruder Emil, unverh. lebt in Paris; ebenfalls Gösta, zuerst verh. mit Eugenie Höyer aus Köln, hatten eine Tochter Nina, die 1 Dez. 1934 hier im Alter v. 18 Jahren an Meningitis starb; Nobels waren seit mehreren Jahren geschieden; er heiratete dann eine Frau Reilly. Gösta Nobel ist Président des Russischen Torgowo-Promyschlennyi Sojus; obgleich er Schwede spielt er in der russischen pariser Gesellschaft eine führende Rolle, besonders in Handelskreisen; ein sehr tüchtiger sympathischer Mensch mein Duzfreund. Alle Nobels waren Annenschüler. Eman. Ludw. hatte 4 Schwestern: Frau Prof. Sjögren, FnaStockholm; Frau Olssen, ehem. norweg. Gen.-Konsul (ihr Mann); Frau Ingrid Alquist, lebten in Finnland, beide tot; Frau Dr. med. Marta Ludw. Nobe1-O1einikowa, Frau des Dr. med. Georg Nik. Oleinikow, welcher l. Jahn. 1937 in Kijiola bei Fahrt über ein gefrorenes Gewässer verunglückte & ertrank. Sie selbst ist auch Dr. med.; leitete in Pbg. ein von ihr gegründetes Hospital. Haben 2 Söhne; Gösta auch. Über Nobels könnte man viel schreiben, doch genügt wohl einstweilen diese kurze Beschreibung. Vielleicht könnte Ihnen genauer schreiben, Herr Rolf Hobel in Djursholm, denn er ist Rentir (Rentner) & soviel ich weiss, hat er keine spezielle Beschäftigung. – Ein Mitdirektor der Firma Nobel war der Schwede Herr Krusell; dann der intime Freund von Eman. Ludw. & ehem. schwed. Gen.-Konsul Karl Wassil. Hagelin, der in Paris lebt. Geboren in Simbirsk & an der Wolga aufgewachsen, besuchte das Gymnasium in Nishnij Nowgorod & ganz russisch eingestellt . Ein sehr lieber Herr. – Auch Mitdirektor Axel Lambert. – Dann Gustav Wass. Lessner, hier mit Gösta Nobel ehem. Dir. der Firma Lessner, hat 3 Töchter. Roman Andr. Werner, Göstas Freund & Sekretär, pbger. Schwede. –
Ich wollte mit Nobels meinen langen Schreibebrief beschliessen, doch sind mir inzwischen noch mehrere Familiennamen eingefallen & will ich sie noch hier aufzählen. –
Konstantin Malm, Gummiwarenhändler, ein Original. Hatte 2 Töchter: Gerda, verh. mit Alexander Bergsträsser, verstorben. V. Bergsträsser ist Frau Dr. Rohdes Bruder heiratete dann Erna Schubert, Dr. med., Tochter des Gummidirektors, leben in Charlottenburg. Aus erster Ehe 2 Töchter, von denen eine Margilla von ein Paar Jahren an der Schwindsucht starb. – Dr. med. Ed. Clemenz, verh., 2 Töchter. Verwandter von Königs; starb in Meran, wo seine Familie noch lebt. Er war zu­letzt (vor der Revolution) tätig am Alexandra Hospital für Frauen. – Gustav Schernikau, war Direktor des Russischen Lloyd, Deutscher, lebte lange in Pbg. – Willy Landesen Petriner, lebte zuletzt in Tallinn. – Hermonius, ehem. Redakteur der "Peterburgskaja Gaseta", finnländ. Abkunft, lebte zuletzt in Paris, starb im Mai 1934. Sein Bruder oder Vetter war russ. General & Chef des russ. Kriegsbureaus in London während des Krieges. – Ing. Th. Odhner, Erfinder der ersten Rechenmaschine; sein Sohn war mein Schulkollege; Schweden. – Dr. med. Röder. Eine geb. Röder war verhr. mit Schwabe, Petriner, der gestorben ist; sie lebt in Tallinn. Dann existierte noch Damenstreichquartett der Schwestern Röder; eine von ihnen, Bratschistin, ist jetzt Frau Lola Bossan, lebt hier als Witwe; Konzertagentin. Ihr Sohn, Journalist, Vater von 3 Kindern wurde im Herbst bei einem Autounfall bei Darmstadt getötet. – Fotograf Bollinger. – Franz. Restaurateur Père Lagrave & sein Nachfolger Touté, Bol. Konjuschennaja. – Franz. Restaurateur Félicien, Bes. (Besitzer) der Datscha Ernest; lebt in Paris, doch komme ich nicht auf seinen Familiennamen. – Messerschmied Brabec , Tscheche. – Kapellmeister Hlavaĉ, Tscheche, dessen Tochter den Petriner & spätern Dozenten am Berginstitut Ieronim Efron geheiratet hatte; sie lebt in Brüssel, wo Efron im Nov. 1929 starb. Er war ein ausgezeichneter Geiger in seiner Jugend. – Anton Preuss, Turnlehrer in d. Petrischule aus Braunsberg in Ostpreussen gebürtig. – Optiker Urlaub. – Optiker Wotkey. – 2 Brüder Bartmer, einer hiess Apollon, Petriner; Apollon wurde Putejez (an Eisenbahn beschäftigt ?), einer seiner Söhne soll in Oesterreich leben. – Mädchenpensionnatsdirektrice Schaffé, die später Wladimir Spörhase erbte. – Uhrmacher Spörhase. Wladimir Spörhases Vater war, glaube ich, Bankmensch. Ich sah ihn zuletzt in Kellomäki 1923. – Alfred Müser & Frau, geb. Graap & ihre 2 Brüder Graap; Deutsche.
Andrei  Andrejewitsch (Heinrich) Müser & Frau, geb. Sanders oder Saunders, geschied. Kusnezowa; er ist längst tot, lebt in Finnland. – Zelt- & Bresentfabrikant Köpke. – Familie Schaub; einer war Architekt; andere sollen in Berlin leben. – Peto, Hermann & Frau, geb. Werth, Papeteriegeschäft; er (ist) längst tot, sie lebt hier. – Olga von Reutlinger, Witwe des ehem. Gutsbesitzer Kaspar v. Reutlinger, geb. Jürgens, Schwiegermutter von Alexander Treuberg jun.; ihr Mann wurde von den Bolschewiken erschossen; lebt in Tallinn. –
Alexander (Alfred) Striedter, Schwiegersohn von Gustav Heyse: Likör & Schnapsfabrikant; seine Frau lebt in Tallinn; ob er noch lebt weiss ich nicht genau, doch werden Sie es in Tallinn erfahren. Eigentlich der Schnapsfabrikant war sein Vater oder Onkel; er selbst, wenn ich nicht irre, diente in einem Ministerium. Er hatte einen Bruder Arved, der längst tot ist. – Wolfschmidt war auch Schnapsfabrikant, Rigenser (aus Riga ?). – Seilfabrikant Erwolder auf der Wiborger Seite. – Seilfabrikant Hoth, verwandt mit Steiner. Oskar (wald) Steiner war verhr. mit ein. geb. Benois, Tochter des Kunstprof. Alexander Benois, Dir. der Akademie der Künste, geschieden. – Dr. Rob. Kolbe in Berlin kennen Sie wohl. – Petriner Iw. Iw. & Fed. Iw. Schmdt & deren Schwester Maria Iw. lebt hier & beschäftigt sich mit Wahrsagen; verh. mit dem Gitarristen Bagrezow. Brüder Schmidt sind tot. – Frödman-Cluzel, Boris Oskarowitsch, Sohn eines Petriners ist Bildhauer & Modelleur, lebt in Kairo als Prof. der Skulputur an der Akademie, schwedischer Abkunft. – Ewald Hartmann, Petriner (Sohn des Bes. der Firma Richter) längst tot. – Lange war Dir. der Petrowskoje Kommertscheskoje Utschilistsche. – 2 Brüder Hesse Petriner, bes. (Besitzer) des Teppichgeschäfts "Magasin de Lyon"; einer Arthur lebt hier, 4 Avenue d’ Eylau, Paris 16, verh. mit einer geb. Robinson, Tochter vom Bisquitfabrikanten, Firma Blickhan & Robinson. – Wlad. Fed. Petersen war Dir. der Russ.-Chinesischen Bank in Charbin; sein Vater war Weindegustator im Rest. Palkin. – Bray, William, Engländer, war Insp. der alten Kommerzschule; sein Sohn Wass. Wass. war engl. Konsul in Shanghai, starb an der Schwindsucht; sein Bruder Georg Wass. war Russlands Tennischampion & Dir. Der Russ.-Engl. Bank (Président Berenson), verh. mit einer geb. Kron (Bierbrauerstochter), lebt in London, treibt Steinkohlenhandel, Präs. aleer russ. Tennisvereine in Frankreich. – 2 Brüder Prehn, im Bankwesen tätig, soviel ich weiss. – Dr. med. Nik. Winter & sein Sohn Nikolai, Petriner, tot; Kolja W. starb an den Pocken & nach eine Woche nach ihm starb seine Mutter an den schwarzen Pocken; 2 Schwestern leben in Finnland. – Grosch Karl Karl. aus Libau gebürtig, war lange Jahre Delikatessenagent in Pbg. 78 Jahre a1t, lebt in Helsingfors, Berggatan 22, im selben Fach tätig & noch sehr rüstig. – Dr. Alfons Alfons. von Deringer, ehem. Apotheker in Zarskoje Selo, wie sein Vater lebt in Frankfurt a/M. Kurfürstenplatz 34. – Gütschow war verh. mit einer geb. Butz, Schwester des Juweliers, ein Sohn, eine Tochter. Schicksal unbekannt. –
Braun, Geschäftsführer in der Juwelierfirma Iwanow, Petriner. – Rempen, Blumenhändler hatte 2 Brüder, Petriner. – Eilers, Blumenhändler & züchter, verh. mit einer Foremny; leben in Hamburg. – Spritfabrik Natus; eine geb. Natus war verh. mit Architekt N. A. Gornostajew; sie lebt in Paris, hat 2 Töchter, verh., auch einen Sohn. – Wurstmacher Steiding, dito Prellberg. – Familie Ullmann, Balten, mehrere Söhne; einer war Rechtsanwalt, was die anderen waren habe vergessen – einer war Amateur Cellist, einer Trompeter. – Ein Vetter Eduard Reingoldowitsch Ullmann in Blechtenstein gestorben, früher in d. Elektr. Ges. 1882 tätig, verh. mit einer geb. Wolshinskaja: ein Sohn Ingenieur, eine Tochter, Gräfin Paczinska, 1ebte 1ange in Los Angeles, jetzt in Berlin. – Wilmersdorf, Lauenburgerstr. 16, Nina Eduard. Elepfand, Peter, Sohn Anatol Petr., verh. mit Jenny Lwowna König; der Vater Elephand heiratet in zweiter Ehe Frau Steinchen, geb. Clemenz. Tochter Gertrude Richardowna, verh. mit Tschugunow, lebt in Pbg. Mutter starb 1918. – Architekt Parland, Protestant, erbaute die Kirche "Spas na Krowi" am Katharinenkanal, wo Alexander der II ermordet wurde. – Architekt Joh. Gahlnbäck, Balte, Bibliothekar an der Stieglitzschen Kunstschule, lebt vielleicht in Estland. – Kremer & Frau, Keramiker an der Stieglitzschen Kunstschule, jetzt in Tallin, ebenfalls Künstler Alb. Stieren, verh. mit einer Kollegin Füllgraf.Lemonius, Rechtsanwalt, Annenschuler.
Ringe Mitarbeiter der Firma "C. Fabergé", Goldschmiedemeister, Juweliere, Silberschmiede &c.: Rutsch aus Heidelberg; Schramm; Thielemann, Vater & 2 Söhne; Hollström, erstklassiger Juwelier, Finnländer, dito sein Sohn Albert, starb 1923 (правильно: 1925 годВ.С.) , der alte starb schon 1903 oder 04. Hollming, Finnländer, seine Söhne waren Petriner, wie Alb. Holmström; Th. Ringe; Reimer aus Lemsal; Rappoport, Silberschmied aus Eschwege; Rob. Pestou, Steingraveur, aus Berlin. –
Handschuhmacher Knigge, dito Weidle. Zigarrenhändler Schramm, Bruder des Juweliers. – Kapellmeister Heinrich Schmidt aus Koblenz, an Preobrashensky Polk, mein Klarinettenlehrer. – Pelzhändler Familie Mertens einige leben in Leipzig, Petriner. – Arnold Frischfeld, Krumbholzianer & Petriner wurde Pastor. – Ferdinand von Bodungen, Petr. auch Pastor. Ein Petriner hiess Pastor, dann Rossel, Bode, 2 Brüder Banse, deren Vater Geiger in Michaeltheater war. Alfred Grünert wurde erster Hoboist im Marientheater, sein Vater Geiger im Michaeltheater. – Muhlert besass ein Vogel & Kleintiergeschäft, auch Fische, auch einige Kinos in Pbg., jetzt in Berlin; im Jahre I930 lebte er Geisbersstr. 29; W. 50. Grömmé, alter Petersburger, doch habe Nähes vergessen; sein Neffe Louis lebt in Bremen, verheiratet. – Wladimir Iversen (eigentl. Yversen de Saint Fons) war Verwalter beim Grafen Osten-Sacken, auch grosser Numismatiker, bretonischer Abstammung, aber verusst; 2 Töchter leben hier; eine ist Tierbildhauerin. – Architekt Erik Gustavson aus Narwa geb. hat das Innere der Hauptpost in Pbg. umgebaut & war auf der Gummifabrik tätig. – Dir. der Gummifabrik Johannes Schmidt, hatte eine Tochter Elsa, verh. mit Dr. Paul Gebhardt, leben in Mecklenburg. – Paul Marcerou, Bes. (Besitzer) eines grossen Glas & Porzellanwarengeschäfts, früher Architekt, franz. Abstammung, starb in Gefängnis während der Revolution in Pbg. Eine Tochter verh. mit Engl. Seymour, die andere mit e. (einem?) Rumänen Papoudow.
Pauls Bruder Felix hatte lange in Paris eine Sped. Firma Marcerou & Schretet; lebte dann in Pbg. zuletzt wieder in Paris, wo er Febr. 1932 am Halskrebs starb; seine Frau Elena Iw. Gontscharowa ehem. Ballerine am pbger. Ballett, zuletzt hier als Ballettlehrerin & Ballettmeisterin erst am Theater "Châtelet", dann an der "Gaité Lyrique" erfolgreich tätig, starb plötzlich im April 1936. Der dritte Leo Marcerou ist hier kaufm. (kaufmännisch) tätig. – Noch einige unsere Mitarbeiter (Fabergé): François Birbaum, erster Zeichner, aus Freiburg  in der Schweiz, lebt in Aigle Kanton Waadt. – Oskar May, deutscher Abstammung, erst in Pbg. dann in unseren Filialen in Kiew, dann Odessa tätig, verh. mit Soja Wassilewskja; zuletzt in Berlin, wo er im Juli 1937 starb. Mays Bruder lebt in Berlin. Osk. May war auch ein ausgezeichneter Zeichner & Maler. – Ewg. Ed. Jakobson Pbger. Silberzeichner, blieb in Pbg. – Iw. Iw. Lieberg-Nieberg, Lette, auch talentvoller Silberzeichner & gute Maler, soll in Moskau leben. – Hugo Oeberg aus Moskau, schwed.-franz. Abkunft, war erst in Moskau, dann in Odessa, zuletzt in Pbg. bei uns tätig als Zeichner & Miniaturmaler, flüchtete über Sibirien nach Indien, kam nach Schweden, dann nach Paris, wo er bei einem Juwelier arbeitet, dessen Tochter er geheiratet hat. – Otto Bauer (Отто Оттович Бауэр, главный бухгалтер в МосквеВ.С.)  Kurländer, erst in Moskau, dann in Odessa, dann wieder Moskau, zuletzt in Pbg. als Oberbuchhalter & später Mitdirektor tätig, grosser Kenner der Buchführung, schrieb mehrere Werke darüber, erhielt dafür Auszeichnungen & Belobungen aus verschiedenen  Landern (Ländern ?), war verh. mit e. (eine) geb. Sanfand aus Moskau, lebte in Riga teils & teils auf seinem Gute bei Tuckum, starb im Aug. l935 (1936 ?). – Antony, Iw. Mich.,(Антони Михаил Антонович, сотрудник фирмы  В.С.) Balte, zuerst in Moskau tätig, dann als Geschäftsführer der odessaer Filiale, dann lange in Pbg. als erster Verkäufer; Nach der Revolution wieder in Odessa, zuletzt in Riga, wo er im März l937 starb. Er war ein guter Steinkenner. Familie Wölz war zahlreich, tschechischer Abkunft. Ich kenne Alexander Wölz, verh. mit e. (einer) geb. Wackernagel, soll in Berlin leben. Er spielte, wie ich, im Sewighschen Liebhaber orchester als Posaunist, während sein Schwager Wackernagel Waldhornist war. – Ein Vetter von Wölz, Boris Wölz, lebt schon lange in Paris & ist in einer Bank tätig, auch Petersburger . – Ekat. Fed. (Ekaterina Fedorowna) Trumpf, elsäss. Abkunft, in Kasan geb. war Gouvernante bei uns, jetzt 80 Jahre alt, lebt in Kiew durch Stundengeben. – Noch einige Petriner: Helmersen, Sohn e. Generals Jawein – mehrere Brüder. – 2 Brüder Rosenquist, Finnländer, jetzt in Helsingfors, falls am Leben; 1923 war einer in der Nordiska Föreningsbanken tätig, der andere Antiquar &c. – Otto Sachsendahl, Verwandter von Fedorows, lebt in Tallinn. Die Familie Küttner (Киттнер, архитекторыВ.С.) war zahlreich: der alte Jeronim v. Küttner war Architekt & wurde über 90 Jahre alt, starb in Bayern; seine Tochter ist Gräfin Pestalozza, auch in Bayern, ein Sohn Dr. med. Oskar lebt in Breslrau, Hobrechtufer 10. Sohn Jeronim lebte lange in Helsingfors als Ingenieur, soll jetzt in Tallinn sein, war verh. mit e. (einer) geb. Lydia Leisenwer, Tochter des Bes. (Besitzers) des Rest. (Restaurants) "Malyj Jaroslawez", tot; hat 2 Söhne. – Von den anderen weiss ich nichts. – Kunstmaler Jul. Klever, bekannter Winter & Frostmaler, Akademiker; ein Sohn war guter Naturemorte-Maler. – Maler & Kupferstecher Belsen, Balte, lebt in Berlin. – Frau Marie Gonzkewitsch, geb. Witting, schwed. Abkunft, war dramatische Artistin am suworinschen Theater, besass einen Bruder der Opernsänger war am Marientheater. Ihr Mann stammt aus Orel, besuchte die pbger. Universität, wurde Architekt & Kunstmaler, Schüler von Ilja Repin; lene hier. Er war Dir. (Direktor) der Priwathandelsbank. – ein Mitdirektor an dieser Bank war der Ungar Muranyi.Thornton, engl. Familie, Bes. (Besitzer) einer grossen Stofffabrik in Pbg. – Wieder fallen mir einige Petriner ein: Alexander Werner; Lindau; Familie Zaune, 2 waren Lehrer bei Krumbholz; Maas; Lang; Hasenwinkel; Aschik, 2 Brüder (Ашик, у него была медаль Карла Фаберже за выставку 1900 г., сейчас в коллекции Ярославского художественного музея  В.С.) ; Held, 2 Brüder, einer in Riga. Einige Kunstgewerbler aus der Stieglitzschen Schule: Marta Raphael & ihre Freundin Eva Cordes sollen in der Tschechoslowakei leben; Grünberg-Zalkaln, Modelleur, lebt in Riga, ebenda Zaring, früher tätig an der Druckerei der Staatspapiere; Eug. Adler, hatte eine Druckerei in Pbg. –
Dann lebte & starb in Pbg. ein Kretzschmer, war irgendwo Direktor. Kinkmann, Balte, besass ein Nähmaschinegeschäft an der Gorochowaja. – Gronmeyer & Trautschold, Eisenwarenhändler. – Kirschner, Bes. (Besitzer) des Armaturno-Elektr. Sawod. Otto Kirchner (Кирхнер. В советское время его фабрика называлась «Светоч» - В.С.) , Kontorbücher &c. Papierwarengeschäft. – Eugen Lenz, bei. Hoth tätig. Schotte, Dir. des Grand Hôtel an der Uliza Gogolja; in Berlin. – Wass. Egor. v. Dehn, war lange russ. Vizekonsul in Paris, balt. Abkunft, lebt 23 rue Chevert, Paris 7, hat eine grosse Bekanntschaft. – Lauber, Samenhändler, seine Tochter war verh. mit Hans Schönekerl, geschieden. – Rooch, Bandagengeschäft. Sein Vetter war ver. mit seiner Kusine Leontine, verwitwete Spalding; sie lebte lange in Mexiko, dann in Pbg. eine (Seine) Tochter Edith heiratete Dagobert Spring, sollen jetzt in d. Ver. Staaten leben; die andere ist gestorben. – Peter Seppain, Finnländer, ertrank bei einer Segelpartie, indem er seine Kameraden retten wollte, sein Sohn Georg lebt in Kopenhagen. – Dann noch der petersburger Franzose, Antiquitätenhändler Grisard; ich traf ihn zuletzt vor 7 Jahren, wo er 86 Jahre & noch recht rüstig war. Sein Sohn dient in der franz. Gesandtschaft in Stockholm, zu dem er reisen wollte. Vielleicht lebt er noch. –
Uff – kann ich nun ausrufen. Ich glaube, mit meinem Latein zu Ende zu sein. Bis auf etwas 20-30 Namen habe alle anderen aus meinem Hirnkasten herausgekramt & bin selbst erstaunt, dass ich noch ein so gutes Gedächtnis habe. Gewiss sind mir manche Fehler unterlaufen, die besser informierte Landsleute vielleicht berichtigen werden, aber ich denke, dass ich das Meiste richtig erzählt habe & hoffe, Ihnen dadurch eine möglichst nützliche Beihilfe geleistet zu haben. – Sollte ich inzwischen noch manche Namen in versteckten Winkeln meiner Hirnschubladen entdecken, dann werde ich Ihnen schreiben.
Ich kann mich nicht entsinnen, jemals im Leben eine so lange Epistel verfasst zu haben. – Nun wünsche ich Ihnen guten Erfolg & bleibe
                                                    Mit vielen Grüssen

P.S.
Ich will Ihnen hier nochmals die Namen & Adressen der Personen aufzählen, die ich für besonders geeignet halte für etwaige Mitarbeit & die Ihnen in dieser Hinsicht nützlich sein können: sicher sind Ihnen manche davon bekannt & haben Sie sich schon selbst an sie gewandt, aber nitschewo (ничево):
* Frl. Charlotte Konig: Wasserburger Bühel am Bodensee, Bayern.
* Frau L. Devrient: Johannisgasse 16; Leipzig C.
* Frau Dr. Wera Pawlowna Rohde: Kurfürstendamm 68.     Berlin.
* Alexander Plate; Lüneburgerstr. 4.                                       " "
* Wass. Oskar. Engelmann: Eislebenrstr. 19.                         " "
* Paul Siegwart von Kügelgen: Kreuznacherstr. 40.               " "
* Dipl. Ing. Emil Spahn: Unter den Linden 54.                                  " "
* Elisabeth Brickmann, geb. Hesse: Motzstr. 47.                   " "
   Herr Muhlert: Geisbergstr. 29.                                                         " "
   Frl. Lina Fey: Zimmerstr. 64.                                                " "
* Herr Dr. Jos. Schomacker: Borstr. 9, Rentnerheim, Niederlössnitz bei Dresden.
   Richard Förster: Schwanthalerstr. 41, München.
   Frau Anna Löffler; geb. Winkler: Prinzregentenstr. 19, München.
* Arch. Karl Schmidt: Feldfichten 2, Zehlendorf-Berlin.
* Oskar Oskar. Lampe: Villa Chanez 2a, Paris 16.
* Mertens (ich weiss nicht wer da ist), Firma F.L. Mertens, Leipzig.
   Frau Warw. Pawl. Moldehnke: Grosse Klosterstr. 3, Tallinn.
* Roland Sewigh, Narwa Maante 36, Tallinn.
* Dr. Oskar Küttner: Hobrechtufer, Breslau.
* Neuscheller, Maxim Maxim.: Suur Merijoki, Wiipurin  län. Finnland.
   Van Gilse van der Pals, Maxim Andr.: Lohja, Nylands län. Finnland.
   Alfons von Deringer, Dr.: (Аптекарь из Царского Села,  поставщик Высочайшего двораВ.С.0 ) Kurfürstenplatz 34, Frankfurt a/M./
   Arkadyi Karl Reiche, Agent, Kellomäki, Wiipurin län. Finnland.
   Frau Elfriede Heinrichowna Berson, geb. Hansen; Koszykowa 70, M. 2, Warschau
* Georg Bormann: (Георг Борман, шоколадный фабрикант, постащик Высочайшего двораВ.С.) 4 School Terrace, Reading, England, verh. Frau Elsa Pawlowna
geb. Boreal.
* Dr. Herbert Grüning, Stefanienstr. 35, Karlsruhe.
* Erwin Nik. Kube, Pulk. Briedza iela 10, dz. 10, Riga.
* Prof. Dr. med. Ed. Ed. Gartjé, Skolas iela 12-A, Riga.
* Dehn, Wass. Egor. rue Chevert 23, Paris 7.
* Emil Heyse, Schiffslände 7, Gmunden, Oberösterreich.
* Witte, Constantin-Ernest Karlowitsch, Palais New York, app. 8, rue Frédéric Passy,
Nice.
* Emil Krook, Ekenäs, Finnland.
* Grünwald, Konst. Konst., Hôtel Columbia, Avenue Kléber, Paris 16.
   Frau Eug. Fed. von Arronet, Ausekla, iela 9, Riga.
* Madame Vera Wass. de Haartman, Palais Bellevue, Monte Carlo, Pté  Monaco.
* Boetz, Wass. Wass., 12 Square Clignancourt, Paris 18.
* Goetz, Wass. Wass., 34 rue Georges-Sand, Paris 16.
   Foremny, Alfred Franz., 63 Avenue Sambre-et-Meuse, Chelles (Seine & Marne)
* Zoppi, Alfred Karl. 23 Grande Rue, Bellevue (Seine & Oise), par Paris.
* Anspach, Alfred Alfr., 10 rue Rosa Bonheur, Paris 15.
* v. Mickwitz, Boris Wass. Währingerstr. 94/23, Wien.
* Frau Dr. Nobel-Oleinikowa, Marta Ludw. "Kirjola", Wiipurin län. Finnland.
   Peltzer Andrei       , 58-bis rue Ste.
Anne, Paris 2.
* Houriet, Michail Anton., (Гурье Михаил Антонович, заведующий магазином «Фаберже в 1901-1917 гг. – В.С.) 31 Quai des Bergues, Genève, Schweiz.
* Robert Kausche, Oma huvila (d. h. eigene Villa), Kellomäki, Finnland.
* Ernest Gambs, Gr. (Grosse) Rustel Str. London W. C. 1

Bei allen können Sie sich auf mich beziehen. – Die Sternchen bedeutet, dass ich diese Personen besonders empfehle.
16 Februar 38.

Was lange währt, wird gut – sagt man, hoffentlich wird meine "Arbeit" auch gut. Schon längst hoffte ich Ihnen meine Epistel zu expedieren, doch finde ich immer wieder neue Namen in versteckten Winkeln meiner Schubladen im Gehirnschrank. – Es ist wirklich kurios, was für ein manchmal interessanter Kram drin steckt, der so nach & nach an die Oberfläche kommt. – Namen, die man für vergessen glaubte, kommen auf diese Weise zum Vorschein. Kaum 5 % sind mir von Brüdern & einigen Bekannten vorgesagt worden; aber gut 95% habe ich selbst herausgebracht. Die meisten in Berlin Lebenden werden Sie gewiss kennen & stehen mit ihnen in Beziehung; ich habe sie trotzdem genannt, denn ich schreibe was mir so in den Kopf kommt, durcheinander, ohne Regel, ohne Reihenfolge & werden Sie wohl Ihre Not haben mit dem Ordnen & Registrieren & kontrollieren, denn gewiss sind mir manche Fehler unterlaufen, die berichtigt werden müssen. Habe wohl manche Namen 2 Mal genannt, denn es ist schwer zu behalten, was man bereits geschrieben hat. – Hoffte endlich diesen Brief abzusenden – nun kommen wie­der neue Namen ins Gedächtnis, die teils selbst fand, teils wurden mir einige von meinem italienischen Associé suggeriert. –
Guidi, Steinmetzatelier oder Fabrik, grosses Unternehmen; ausserdem war er Entreprencur & Direktor der Italienischen Oper. – Dann Galli, auch Steinmetz. Bei Krumbhols waren 2 Brüder San Galli, Söhne des Bronzefabrikanten, schweize­rischer Abkunft; ein San Galli war verh. mit einer geb. Skaramanga. – Brüder Tedeschi, Italien. Abkunft, Schneider. – Tanti, Restaurateur am Katharinenkanal. Der berühmte Baryton Cotogni, lange Jahre Gesangsprof. am Konservatorium. – Pugni, Cellist & Ballettkomponist; sein Sohn ist Maler, lebt in Paris. – Thea­terkünstler & Dekorateur Allegri. – Asserio war Kunststuckateur. –
Juwelier Kausche, Newsky 88, war verh. mit einer geb. Elisabeth Eimann, Tochter von Frau Eimann aus Offenbach a/Main, Leiterin der Hofmilchwirtschaft & Kuhställe in Zarskoje Selo. Kausches Bruder war tätig bei Peltzer, Direktor der Narwskaja Manufaktura; lebt in Finnland, der Juwelier & Frau sind tot. – Andrei Peltzer hat hier ein Bureau. – Juwelier Vaillant, (ювелир Вальян, поставщик Высочайшего двора  В.С.) Franzose, Newsky, gegenüber der Duma, später übernahm sein Geschäft Reichardt & dann der alte Reichardt, der mehrere Söhne hatte. – Juwelier Karl Hahn, der 2 Söhne hatte, die Petriner waren; der jüngere Dimitry war verh. mit der Ballerine Andrejanowa, die in Nizza starb. Karl Hahn & die Söhne längst tot. – Juwelier Bühler & sein Nachfolger Bock an der Morskaja; der letzteren Sohn soll noch in Pbg. sein. – Juwelier Johannson. – Neusilbergeschäft Katsch, Ecke Newsky & Michailowskaja. – Neusilbergeschäft Fraget aus Warschau im Petrikirchenhause. – Georges Bargoin hatte ein Geschäft von "Bijouterie fausse" unter dem Rest. (ресторан или реставратор ?) Lejeune, Franzose in Mailand geboren, reform. Schüler. – Bäcker Bühler, dito Weber, dito Michelson. – Lehmann, Bes. (Besitzer) einer Schriftgiesserei, Petriner. – Elektroingen. Hugo von Nessler, der später in Mittweida studierte, desgl. Eugen Döring, Petriner beide. – Tierausstopfer Schindhelm. – Architekt & Künstler Schildknecht, der Hofarchitekt war. – Lehrer an der Kunstschule für Förderung der Künste Eberling, dito Fed. Fed. Buchholz, beide Polen. – Ebeling, Buchbinderei (?). – Eine Frau Ebeling (ich weiss nicht ob sie aus derselben Familie stammt). Warwara Wass. lebte vor einige Jahren in Berlin W., Martin Lutherstr. 50. – Konstantin Baron Osten-Sacken, Petriner, war Beamter in einem Ministerium. – Lehrer bei Krumbholtz-Friedrich Hirschkowitz. – Lehrerinnen daselbst Frl. (Fräulein) Dücker & Frl. Kaiser. Lehrer daselbst für Kalligrafie Wikschradt. Dito Eyssymont, Litauer oder Pole. – Verkäufer bei uns ein in Moskau geb. Neuchateller Michail Antonow. Houriet, der ein grosses Personengedächtnis besitzt, lebt jetzt in Genf, Quai des Bergues 31. Kann Ihnen von Nutzen sein. –
Beinah hätte ich die Ihnen allerdings bekannte Familie Schulz vergessen, die teils in Berlin & Düsseldorf, teils in Paris lebt, nämlich Georg Wass. – Dann noch unser hochgeschätzter Inspektor Ed. von Collins (ich glaube er war irländischer Abkunft). Sein ältester Sohn war verh. mit einer geb. Eberhardt, Tochter eines Fabrikbesitzers (?), der zweite Alexander mit Adele Fedorowa, leben in Finnland. Der jüngste war Petrikirchenhausarchitekt, lebt in Libau oder Riga. –

Wie Sie sehen, habe ich vorwiegend die bürgerliche Gesellschaft genannt; wenn ich noch an die "oberen 10000" herankommen sollte, dann wird mein Brief lange nicht abgehen & da sind Namen, wie Leuchtenberg-Beauharnais, Adlerberg, Berg, Borch, Plehwe, Schilling, Reutern, Sayn-Wittgenstein, Totleben, Toll, Tolli, Barclay de Tolli, Hoyningen-Huene, Lüders-Weimarn, Kleigels, Wahl, Gresser, von-Dehn, Osten-Saken, von Stahl, Stael von Holstein, Krusenstern, Wrewsky, Baggovud, Stempel, Benckendorf; Bahlen, Lamsdorf, Neidhart, Ohm, Manteuffel, Tiesenhausen,

Ich will daher endlich schliessen, um Sie nicht allzulange warten zu lassen. – Wie gesagt, will ich Ihnen wieder schreiben, sowie ein genügendes Material gesammelt haben werde.
                                                    Also nochmals recht schönen Gruss


P. S. Eben fallen mir noch folgende Namen ein:
Zwei Brüder Crieben (Grieben ?) – Musiker. – Wurstmacher Sörensen, Annenschüler. – Rusterholz – was er war, weiss ich nicht mehr. – Direktor des Deutschen Theaters & Schauspieler Philipp Bock, ein Berliner, der lange in Pbg. lebte. – Redakteur Fenner an der St. Pbger. Zeitung. – Hofschneidemeister Nordenström, Finnländer. – Hinterlach (ja, so hiess er) hatte ein technisches Büro neben der Passage am Newsky. – Karl Neander, ich sah ihn zuletzt in Helsingfors 1919. – Lebt wahrscheinlich in Deutschland. – Familie Treek n Berlin. – Bindemann, der längst tot ist, war ein bekannter Segelsportler. – Komponist & General der Artillerie César Cui, franz. Abkunft. – Opernsänger Titow hiess eig. Schallert & war früher am Kais. Deutschen Theater. – Schauspieler am Alexandra-Theater Kostrow hiess eig. Stakenschneider. – Frl. Zanotti, Magdalene Franzowna, aus Darmstadt Kammerfräulein I. M. (Ihrer Majestät) der Kaiserin Alexandra Feodorowna, lebt in Darmstadt. Dann mehrere Balten am Hofe: Frau Geringer, Kammerfrau I. M. (Ihrer Majestät) der Kais. Alex. Feod., tot. – Ladung, Garderobier bei derselben. – Janau, Kammerdiener bei derselben, Schwiegersohn von Frau Geringer. – Leon, Kammerdiener bei I. M. (Ihrer Majestät) Kaiserin Maria Feodorowna Radzich, erster Kammerdiener S. M. (Seiner Majestät) des Kaisers (hiess auch Nikolai Alexandrowitsch), verrusster (обрусевший) Balte, doch glaube ich, war er deutscher Abstammung. – Von Drenteln, Adjutant S. M. (Seiner Majestät), der den Rasputin beim Hof eingeführt haben soll. –Von Bencken – Aquarellmaler. – Schramm, lebte & starb in Eilenberg (Filenberg) bei Leipzig; seine Nichte Kathar. Mich. Engelne, jetzt Frau Michailowa lebt hier, Modezeichnerin. –
Nun aber wirklich für dieses Mal, sonst komme ich niemals nieder. –


P.S. Ich benutze die Gelegenheit, um Dich etwas mit meiner Kunst bekannt zu machen & schicke hier 2 Fotos, wo Du mich umgeben von einigen meiner Werke sehen kannst. Auf N°l ist in der Mitte die zweite Tochter des Hetmanns Skoropadsky (Rötelstiftzeichnung), 1921 in Lausanne porträtiert; die im spanischen Hut ist die jüngste Tochter von Hermann Hesse, die hier vor einigen Jahren als Tänzerin auftrat; auf der Tür ist die russische, auch in Berlin bekannte, Tänzerin Jenja Kaissarowa; neben Frl. Skor. links ist Jenny Jugo, die Filmdiva, die wohl vom Film her kennet. – Auf N°2 steht auf der Staffelei das Porträt einer charmanten 17-jähr. Indochinesin aus dem Laoslande (plastische Tänzerin unter ihr Jenny Jugo; das kleine Mädel mit den schwarzen Locken ist mein Mo­dell (natürlich auch Tänzerin) von 10 Jahren (1931 war sie 150 Cm. hoch), jetzt misst (musst ?) sie, wie ich schrieb, 164. Auf der einen Wand siehst Du mein Selbstporträt in Kohle, darüber dito pastelliert im Boyarenkostüm & Bart (l922); auf der an­deren Wand hinter mir eine von mir gemachte Karikatur auf den russ. Maler Kalmakow, daneben seine Amazonen, unter welchen wieder Herm? Hesses Tochter. Noch schicke ich ein deutlicheres Foto von der Laosin Kam Luong (ihr Name steht nebenan in der Laossprache); – dann noch mein letztes Porträt von der lächeln­den Jenny Jugo (beide – Kohlenzeichnungen). Am besten gelingen mir lebendige Augen. – Moderne Schiermalerei kann ich weder goutieren, noch verstehen. – So, jetzt weisst Du ungefähr, was ich kann oder nicht kann. Im Oel habe noch nie versucht & tut es mir nur leid, dass ich nicht früher mein Talent entdeckt habe, denn früher war ich je nur Bijouterie-Zeichner. – Aber auf die alten Tage ist das auch eine angenehme Beschäftigung, die eine gewisse Genugtuung gibt. –
Über Politik wollte ich in diesem Brief nicht schreiben, denn worzu? (wozu). Was können wir ändern? – In einem bin ich aber vollkommen Deiner Meinung, nämlich, dass ohne ein geordnetes, gesetzlich regiertes, starkes Russland die Weltkrisis nicht gelöst werden kann. – Nun aber wirklich Schluss.

1 комментарий:

  1. Um ehrlich zu sein, konnte ich mir nicht vorstellen wie schwierig es ist, Informationen zu finden über obiges Thema.
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